K.O.-Tropfen in der SchweizDas journalistische Gewissen

Berichte

St. Gallen 2024: Weder Kantonspolizei noch IRM erfassen K.O.-Fälle

Laut 20 Minuten führen weder die Kantonspolizei St. Gallen noch das Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen eine Statistik zu K.O.-Tropfen. Die jährliche Zahl der Fälle im Kanton ist deshalb unbekannt. Der Artikel zitiert einen nicht namentlich genannten Experten aus einem Vergewaltigungsprozess in Biel: Wenn Tropfen verabreicht würden, sei es «in der Regel immer GHB». Weil GHB auch körpereigen vorkommt, sei kaum zu belegen, ab welcher Menge ein Wert unnatürlich ist. Routinemässig wird laut Artikel in der Regel nicht auf GHB getestet. Im Blut ist GHB nach etwa sechs Stunden nicht mehr nachweisbar, im Urin etwas länger.

Der Verfahrensstand folgt den Quellen, nicht einer eigenen Prüfung der Akten.

Einordnung der Redaktion, keine Tatsachenbehauptung aus den Quellen

Die Aussage «in der Regel immer GHB» ist eine Einzelaussage eines anonymen Experten und nicht durch Daten aus St. Gallen gestützt. Sie ist mit forensischen Auswertungen abzugleichen, die auch Alkohol und Medikamente als häufige Substanzen nennen. Für den Kanton St. Gallen gibt es keine belastbaren Fallzahlen.

Verbindungen

Die Statistiklücke deckt sich mit Zürich (RRB 615/2025).

Zusammenhänge

Biel 2024: der Bieler Prozess in zwei 20-Minuten-Artikeln

belegt, Gleicher Prozess, gleiches Medium

Der Bericht zu St. Gallen vom 5.2.2024 zitiert einen Experten aus dem Bieler Prozess. Im Bericht zum Bieler Urteil vom 2.2.2024 erklärt ein Experte, man habe nie getestet. In beiden Artikeln ist der Experte nicht namentlich genannt; ob es dieselbe Person ist, bleibt Arbeitshypothese.

Weitere Einträge: Regionalgericht Biel: 8,5 Jahre, Gericht hält Beimischung in Getränke für erwiesen

St. Gallen: keine Statistik, Schätzungen statt Zahlen

belegt, Gleicher Kanton, wiederkehrende Lücke

2024 erfassten weder Kantonspolizei noch IRM St. Gallen K.O.-Fälle. 2025 nannte die Kantonspolizei bis zu zwölf Meldungen pro Jahr, ohne eine spezifische Statistik zu führen. Bei den Gerüchten um den Club Trischli 2020 lagen polizeilich nur Meldungen zweier junger Männer vor.

Weitere Einträge: Club Trischli St. Gallen: K.O.-Gerüchte auf Jodel, Polizei klärt zwei Fälle mit jungen Männern ab, Kantonspolizei St. Gallen: bis zu einem Dutzend K.O.-Meldungen pro Jahr, SP-Vorstösse in Zürich, Basel-Stadt und Aargau zu K.O.-Tropfen

Keine Statistik und gegenseitiger Verweis zwischen Bund und Kantonen

Muster über die Jahre

Zum Muster

Quellen

  1. Kanton St. Gallen: Sind junge Männer die neuen Opfer von K.-o.-Tropfen-Vergiftern?20 Minuten, 2024-02-05

Eintrag 2024-02-05_st-gallen-2024-weder-kantonspolizei-noch-irm-erfassen-k-o-falle. Letzte Prüfung der Quellen am 29.10.2026. Fehler oder fehlende Quellen bitte über Korrektur melden.