K.O.-Tropfen in der SchweizDas journalistische Gewissen

Berichte

BAG-Faktenblatt GHB, GBL, 1,4-Butandiol: Unterstellung 2002, Tox-Info-Fallzahlen 1997 bis 2005

Das Bundesamt für Gesundheit (Direktionsbereich Gesundheitsschutz) veröffentlichte im Dezember 2025 ein Faktenblatt zu GHB, GBL und 1,4-Butandiol (BD). GHB wurde in der Schweiz 2002 dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt, nachdem die Vergiftungsfälle nach 1998 stark auf 30 bis 50 pro Jahr gestiegen waren. Die Beratungen von Tox Info Suisse zu GHB-Vergiftungen nahmen danach nur vorübergehend leicht ab. Tox Info Suisse verzeichnete von 1997 bis 2005 334 GHB-Vergiftungsfälle (271 akut beabsichtigt, 28 akut unbeabsichtigt, 23 chronisch beabsichtigt). Zu 187 Fällen lagen ärztliche Verlaufsberichte vor, darunter 80 schwere Fälle und ein Todesfall. Hinzu kamen 101 GBL-Fälle, alle durch Missbrauch, und 4 BD-Fälle (3 Missbrauch, 1 akzidentiell). Laut Faktenblatt kommen Vergiftungen mit den drei Substanzen in der Schweiz praktisch ausschliesslich bei Missbrauch vor. 2005 waren in der Schweiz über 200 chemische Produkte mit GBL (bis 100 Prozent) registriert. GHB ist im Blut bis zu 8 Stunden und im Urin bis zu 12 Stunden nachweisbar. Das Faktenblatt führt «K.O.-Tropfen» als Strassennamen von GHB und nennt ausdrücklich den Einsatz als «date rape drug». Rechtslage: GHB und GBL sind kontrollierte Substanzen nach Anhang 2 Verzeichnis a BetmVV-EDI; ausgenommen ist GBL bei industriellem Einsatz.

Der Verfahrensstand folgt den Quellen, nicht einer eigenen Prüfung der Akten.

Beteiligte

NameRolleFunktionPartei
Bundesamt für Gesundheit (BAG)Herausgeber
Tox Info SuisseDatenquelle

Namen erscheinen nur bei öffentlicher Funktion oder rechtskräftiger, namentlich berichteter Verurteilung. Für alle Personen ohne rechtskräftiges Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Einordnung der Redaktion, keine Tatsachenbehauptung aus den Quellen

Die Fallzahlen in diesem Faktenblatt von 2025 stammen aus den Jahren 1997 bis 2005; neuere Zahlen enthält es nicht. Das zeigt eine Datenlücke in der amtlichen Information. Die Zahlen erfassen Vergiftungen insgesamt, überwiegend durch Eigenkonsum. Fälle von K.O.-Tropfen werden nicht separat ausgewiesen. Im Abschnitt zur Rechtslage nennt das Faktenblatt nur GHB und GBL, 1,4-Butandiol nicht.

Verbindungen

BetmVV-EDI (SR 812.121.11); zu prüfen: allfällige Unterstellung von 1,4-Butandiol (2018); Tox Info Suisse Jahresberichte; BGer 6B_1067/2013 verweist auf ein BAG-Faktenblatt vom Februar 2012 (Vorgängerfassung).

Zusammenhänge

Regulierung GHB und GBL: Motion 2009, Verordnung 2011, Bundesgericht 2014, BAG 2025

belegt, Vorstoss und Verordnung, Urteil zur Auslegung

Bei der Motion Barthassat kündigte der Bundesrat 2009 Lösungen über die Revision der Verordnungen an. Die BetmVV-EDI trat 2011 in Kraft und nimmt GBL nur bei industrieller Verwendung aus. Das Bundesgericht hielt 2014 fest, GBL sei schon nach altem Recht erfasst gewesen, und verweist auf ein BAG-Faktenblatt. Das BAG-Faktenblatt 2025 bestätigt die heutige Rechtslage.

Weitere Einträge: Motion 09.3945 Barthassat: 1,4-Butandiol auf die Betäubungsmittelliste, Bundesrat lehnt ab, BetmVV-EDI tritt in Kraft: GHB kontrolliert, GBL nur bei industrieller Verwendung ausgenommen, GBL als Betäubungsmittel: Bundesgericht bestätigt vier Jahre für Handel mit 814 Litern

Tox Info Suisse als Datenquelle über zwei Jahrzehnte

belegt, Gleiche Institution

2015 nannte Tox Info Suisse rund 25 Verdachtsfälle pro Jahr, davon zu 95 % nur Alkohol. Im Jahresbericht 2015 sind weniger Überdosierungen und mehr Entzugsfälle festgehalten. Die BAG-Fallzahlen 1997 bis 2005 stammen ebenfalls von Tox Info Suisse. Die Zahlen sind nicht gleich definiert und lassen sich deshalb nicht direkt vergleichen.

Weitere Einträge: Tox Info Suisse 2015: Rund 25 Verdachtsfälle pro Jahr, meist nur Alkohol, Tox Info Suisse Jahresbericht 2015: Weniger Beratungen zu GHB-Überdosierungen, mehr zu GHB-Entzug

Quellen

  1. Faktenblatt Gammahydroxybutyrat (GHB), Gammabutyrolacton (GBL), 1,4-Butandiol (BD)Bundesamt für Gesundheit, 2025-12-18

Eintrag 2025-12_bag-faktenblatt-ghb-gbl-1-4-butandiol-unterstellung-2002-tox-info-fallzahlen-199. Letzte Prüfung der Quellen am 29.10.2026. Fehler oder fehlende Quellen bitte über Korrektur melden.