Wissen
Endogenes GHB: Interpretationsschwellen Blut und Urin in der Schweizer Praxis
Der Synthesebericht 2021 des CURML hält fest, dass GHB im Körper natürlich vorkommt (beim GABA-Stoffwechsel). Der blosse Nachweis belegt daher keine Einnahme. Physiologische Werte liegen im Blut (EDTA-Röhrchen) gemäss Literatur unter etwa 1 bis 1,5 mg/L, im Urin unter etwa 5 bis 10 mg/L. Busardò und Jones (2019) schlagen als Interpretationsschwellen für eine exogene Zufuhr 5 mg/L im Blut und 15 mg/L im Urin vor. Nach diesen Autoren besteht kein allgemeiner Konsens über den Schwellenwert. Das CURML wertete 6 bis 10 mg/L im Urin und 1 bis 1,5 mg/L in Blut, Serum oder Plasma als mässige Stützung einer exogenen Zufuhr, 15 mg/L im Urin und 5 mg/L im Blut als starke Stützung. Nachweisgrenze 0,5 mg/L, Bestimmungsgrenze 1 mg/L (GC-MS). Ein enzymatischer Suchtest mit Cut-off 10 mg/L (Urin) und 4 mg/L (Serum/Plasma) wurde bei positivem Ergebnis immer per GC-MS bestätigt, um falsch positive Resultate auszuschliessen. Die Zeit zwischen Ereignis und Probenahme muss in die Interpretation einfliessen. GBL und 1,4-Butandiol werden im Körper rasch und vollständig zu GHB umgewandelt; nach wenigen Minuten finden sich keine Spuren dieser Vorläufer mehr.
Der Verfahrensstand folgt den Quellen, nicht einer eigenen Prüfung der Akten.
Einordnung der Redaktion, keine Tatsachenbehauptung aus den Quellen
Wichtig für die Bewertung von Gutachten: Ein Befund knapp über den physiologischen Werten stützt eine Fremdzufuhr laut CURML nur «mässig». Ein negativer Befund bei später Probenahme schliesst eine Verabreichung ohne Wissen der betroffenen Person nicht sicher aus.
Verbindungen
Ergänzt durch Zürcher Biomarker-Forschung (Steuer et al. 2022 und 2023).
Zusammenhänge
CURML als wiederkehrende Instanz in der Romandie
belegt, Gleiche Institution
Das CURML erscheint von 2010 bis 2026 in Verdachtsfällen, Urteilen, Studien, Behördenantworten und in der Genfer Konsultation. Seine Befunde flossen in mehrere Entscheide ein: GHB im physiologischen Bereich (Wallis), Substanzen medizinisch erklärt (Genf 2026), kein GHB beim Schulball 2010.
Weitere Einträge: Waadt 2010: CURML findet bei Schulball-Verdachtsfall kein GHB, Genf: Gemeinsame Untersuchung durch Gynäkologie und Rechtsmedizin, Proben ein Jahr am CURML, Wallis: GHB-Verdacht am Arbeitsplatz, Haaranalyse negativ, Freispruch von Vergewaltigung bestätigt, CURML/CHUV: Systematische GHB-Suche in 815 forensischen Proben 2021 (Waadt), RSI: «La droga dello stupro in Romandia», Gerüchte ohne bestätigte Fälle, Jura: Regierung beantwortet Schriftliche Frage zu GHB-Intoxikationen (QE 3435), Genf: Verdacht auf «soumission chimique» nach Motorradunfall nicht erhärtet, Einstellung bestätigt, Waadt: Interpellation Thalmann fordert Freiburger Modell; Staatsrat lehnt eigene Weisung ab, Genf: Medizinisch-rechtliche Konsultation der HUG für Gewaltopfer ohne Anzeige
Die Haaranalyse verlängert den Nachweis, beweist aber keinen Zeitpunkt
Muster über die Jahre
Quellen
- Analyse systématique du GHB dans les échantillons biologiques. Rapport de synthèse 2021CURML/CHUV, Rapport de synthèse, 2022-01
Eintrag 2022-01_endogenes-ghb-interpretationsschwellen-blut-und-urin-in-der-schweizer-praxis. Letzte Prüfung der Quellen am 29.10.2026. Fehler oder fehlende Quellen bitte über Korrektur melden.