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CURML/CHUV: Systematische GHB-Suche in 815 forensischen Proben 2021 (Waadt)

Die Unité de toxicologie et de chimie forensiques (UTCF) des CURML sucht seit 1. Januar 2021 in den forensisch-toxikologischen Proben systematisch nach GHB. Der Waadtländer Staatsrat hatte dies in seiner Antwort (20_REP_48) auf eine Interpellation von 2020 (20_INT_10) angekündigt. Von 815 Fällen betrafen 633 die Fahrfähigkeit, 122 die «toxicologie comportementale» und 60 sexuelle Übergriffe, Verdacht auf soumission chimique oder Black-outs (77 % Frauen, Median 23 Jahre). In 13 dieser 60 Fälle (22 %) wurde gezielt nur nach GHB gesucht (medianer Probenahme-Abstand 3,2 Stunden, kein Nachweis), in 47 Fällen breit gescreent. GHB über physiologischen Werten fand sich in 4 von 815 Fällen (0,5 %). 3 davon waren Verkehrsfälle (2 VD, 1 GE), die die Medienmitteilung mit Freizeitkonsum in Verbindung bringt. Der vierte (1,7 % der 60 Fälle) war ein Verdachtsfall aus der Übergriffsgruppe mit 730 mg/L im Urin und 130 mg/L im Blut, Probenahme nach 6,5 Stunden, daneben Methamphetamin, Methylphenidat, Zolpidem und Pregabalin. Die Medienmitteilung bezeichnet ihn als bestätigten Fall von soumission chimique. Der Bericht hält allgemein fest, dass toxikologische Befunde allein nicht klären, ob eine Substanz freiwillig oder unwissentlich aufgenommen wurde. In der Übergriffsgruppe lag der Median zwischen Ereignis und Probenahme für Blut und Urin bei 12 Stunden. In der Hälfte dieser Fälle kam die Probe damit zu spät, um eine GHB-Einnahme nachzuweisen oder auszuschliessen. Beim breiten Screening (47 Fälle) fand sich in 55 % mindestens eine andere zentral wirksame Substanz: Ethanol 48 %, Cannabinoide 17 %, Benzodiazepine und verwandte Substanzen 10 %, Antidepressiva 9,8 %, Kokain 6,5 %, Amphetamine 6,5 %, Methylphenidat 4,8 %, Opioide 2,1 %. Der mediane Probenahme-Abstand betrug bei positiven Fällen 8,4 Stunden, bei negativen 16 Stunden. Der Bericht nennt als Nachweisfenster für GHB im Plasma etwa 4 bis 6 Stunden und im Urin etwa 10 bis 12 Stunden, die Plasma-Halbwertszeit liegt bei 1 bis 2 Stunden. Ohne Anzeige können Proben auf ärztliche Anordnung oder auf private Anfrage der betroffenen Person analysiert werden. Laut Medienmitteilung vom 9. März 2022 hat die Studie einen kostengünstigen Schnelltest validiert, den die UTCF nun systematisch zur Vorprüfung einsetzt; positive Resultate werden massenspektrometrisch bestätigt. Die Notfallabteilung des CHUV hat ein eigenes Protokoll für Verdachtsfälle.

Der Verfahrensstand folgt den Quellen, nicht einer eigenen Prüfung der Akten.

Beteiligte

NameRolleFunktionPartei
Marc AugsburgerAutorLeiter Unité de toxicologie et de chimie forensiques, CURML
Aurélien ThomasAutorLeiter Unité facultaire de toxicologie, CURML
Pierre-Nicolas CarronAutorChef de service Urgences, CHUV

Namen erscheinen nur bei öffentlicher Funktion oder rechtskräftiger, namentlich berichteter Verurteilung. Für alle Personen ohne rechtskräftiges Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Einordnung der Redaktion, keine Tatsachenbehauptung aus den Quellen

Soweit bekannt die einzige publizierte systematische Schweizer Erhebung zu GHB in forensischen Proben. Die tiefe Positivrate belegt nicht, dass GHB selten eingesetzt wird: Die Hälfte der Übergriffsproben kam zu spät, die Dunkelziffer ist unbekannt. Die häufigste Substanz ist auch hier Alkohol, nicht ein Benzodiazepin; Benzodiazepine und Z-Substanzen bilden knapp vor den Antidepressiva die häufigste Medikamentengruppe. Eine Fortschreibung für 2022 ff. war mit den verfügbaren Mitteln nicht auffindbar; der Bericht selbst kündigt keine an.

Verbindungen

Grundlage für die Waadtländer Praxis (vgl. Antwort Staatsrat 25_REP_24); Schwellenwerte siehe Eintrag «Endogenes GHB: Interpretationsschwellen»; Interpellation 20_INT_10 (VD) und Antwort 20_REP_48; Lausanner Rapport-préavis 2024/18.

Zusammenhänge

Waadt: von der Interpellation Genoud zur systematischen GHB-Suche

belegt, Vorstoss führt zu Behördenpraxis

Auf die Interpellation Genoud (20_INT_10) kündigte der Staatsrat in seiner Antwort (20_REP_48) die systematische GHB-Suche an. Das CURML setzt sie seit 1.1.2021 um. Die Lausanner Stadtregierung übernimmt die CURML-Zahlen in ihre Antwort von 2024, die auch Label Nuit und Drink Watch nennt. Die Jura-Regierung verweist 2022 auf dieselbe Praxis des CURML.

Weitere Einträge: Waadtländer Staatsrat: seit 2017 zwei bestätigte Fälle unfreiwilliger GHB-Intoxikation, Lausanne: 39 gemeldete Verdachtsfälle 2022, kein einziger positiver Befund, Lausanne subventioniert 4'000 Glasdeckel «Drink Watch» für Bars und Clubs, Lausanne: Qualitätscharta «Label Nuit» für Nachtlokale, Anschubhilfe der Stadt 2018 bis 2020, Jura: Regierung beantwortet Schriftliche Frage zu GHB-Intoxikationen (QE 3435)

Forschende in mehreren Einträgen: Steuer, Liechti, Augsburger, Carron

belegt, Gleiche Personen

Andrea E. Steuer (IRM Zürich) ist an den Biomarker-Studien 2022 und 2023 beteiligt und wird 2026 in 20 Minuten zitiert. Matthias E. Liechti (USB) ist Autor der Pharmakokinetik-Studie 2016 und der Übersicht 2019. Marc Augsburger und Pierre-Nicolas Carron haben die CURML-Studie 2022 und den Artikel zu Nadelstichen 2026 mitverfasst. Augsburger äusserte sich ausserdem 2021 gegenüber RTS zu den Lausanner Gerüchten.

Weitere Einträge: Steuer et al. 2022: Synthese neuer GHB-Biomarker, Nachweisfenster 6 Stunden Blut, 12 Stunden Urin, Steuer et al. 2023: GHB-Glycin verlängert Nachweis im Urin (IRM Zürich), 20 Minuten 2026: IRM Zürich zu GHB-Nachweis und Symptomen, Liechti et al. 2016: Pharmakokinetik von GHB bei Gesunden (Universitätsspital Basel), Bühler, Schmid, Liechti 2019: K.O.-Mittel, Diagnostik auf der Notfallstation und in der Praxis, Jovanovic et al. 2026: Piqûres malveillantes, medizinische und soziale Fragen (CHUV, CURML, EPFL), Lausanne subventioniert 4'000 Glasdeckel «Drink Watch» für Bars und Clubs

Das Nachweisfenster entscheidet über den Verfahrensausgang

Muster über die Jahre

Zum Muster

Quellen

  1. Analyse systématique du GHB dans les échantillons biologiques, Rapport de synthèse 2021CURML/CHUV, Rapport de synthèse, 2022-01
  2. Une étude confirme que le GHB circule en Suisse romande et détecte un cas de soumission chimiqueCHUV, Medienmitteilung, 2022-03-09
  3. Difficile de cerner l'ampleur du GHB en Suisse romandeRadio Lac (ATS), 2022-03-09

Eintrag 2022-01_curml-chuv-systematische-ghb-suche-in-815-forensischen-proben-2021-waadt. Letzte Prüfung der Quellen am 29.10.2026. Fehler oder fehlende Quellen bitte über Korrektur melden.