K.O.-Tropfen in der SchweizDas journalistische Gewissen

Presserat

Presserat kritisiert Ringier für Löschung von über 200 Blick-Artikeln aus der Mediendatenbank

Das Präsidium des Schweizer Presserats bedauerte, dass Ringier über 200 «Blick»-Artikel zum Fall Spiess-Hegglin/Hürlimann aus der Schweizer Mediendatenbank (SMD) entfernen liess. Es bezeichnete dies als «willkürlichen Eingriff in die Archivfreiheit». Löschungen seien nur im absoluten Ausnahmefall zulässig, etwa auf einen Gerichtsentscheid hin. Ringier sei als einer von drei Miteigentümern der SMD nicht berechtigt, einen ganzen Themenkomplex eigenmächtig entfernen zu lassen. Die Mitteilung trug den Titel «Ringier verfälscht historische Wahrheit». Ringier-Sprecher René Beutner wies die Kritik zurück: Die SMD sei dem Presserat keine Rechenschaft schuldig, die Löschung sei eine «geschäftlich begründete Entscheidung». Sie grenze eine mögliche Diskussion über eine Gewinnherausgabe auf einen klar bestimmten Zeitraum ein. Die Löschung erfolgte vor der Gerichtsverhandlung über Jolanda Spiess-Hegglins Klage wegen Persönlichkeitsverletzung.

Der Verfahrensstand folgt den Quellen, nicht einer eigenen Prüfung der Akten.

Beteiligte

NameRolleFunktionPartei
Ringier AGkritisiertes Medienhaus
René BeutnerSprecher RingierUnternehmenssprecher Ringier
Schweizer Presserat (Präsidium)Kritiker

Namen erscheinen nur bei öffentlicher Funktion oder rechtskräftiger, namentlich berichteter Verurteilung. Für alle Personen ohne rechtskräftiges Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Einordnung der Redaktion, keine Tatsachenbehauptung aus den Quellen

Medienethisch bedeutsam: Ein Medienhaus entfernte die eigene Berichterstattung vor einem Prozess aus dem Branchenarchiv. Für die Rekonstruktion der Serie braucht es Originale ausserhalb der SMD.

Verbindungen

Presserat 16/2020 (Folgestreit um einen Medienwoche-Text zur Löschung; nicht durch die Quellen dieses Eintrags belegt, separat prüfen).

Zusammenhänge

Löschung aus der Schweizer Mediendatenbank 2019

belegt, Gleiches Medienhaus, Folgestreit

Ringier liess über 200 Blick-Artikel aus der SMD entfernen. Ringier begründete das selbst damit, eine mögliche Gewinnherausgabe zeitlich einzugrenzen. Dass die Löschung die Blick-Artikel betraf und der Presserat sie kritisierte, belegen die Einträge zur Blick-Serie und zur Kritik des Presserats. Auch Presserat 16/2020 behandelt einen Medienwoche-Text zu dieser Löschung.

Weitere Einträge: Blick-Serie Dezember 2014 bis Januar 2015: K.O.-Verdacht, Gerücht und Dementi in Folge, Presserat 16/2020: Nichteintreten im Streit um Leserkommentar zum Medienwoche-Text «Ringier darf eigene Titel löschen»

Berichterstattung: Identifizierung bei Verdacht, späte Korrektur, Expertenwellen nach Anklagen

Muster über die Jahre

Zum Muster

Quellen

  1. Ringier verfälscht historische WahrheitSchweizer Presserat, 2019-04-15
  2. Fall Spiess-Hegglin: Presserat bedauert Löschen von Blick-ArtikelnHorizont Schweiz, 2019-04-15

Eintrag 2019-04-15_presserat-kritisiert-ringier-fur-loschung-von-uber-200-blick-artikeln-aus-der-me. Letzte Prüfung der Quellen am 29.10.2026. Fehler oder fehlende Quellen bitte über Korrektur melden.