K.O.-Tropfen in der SchweizDas journalistische Gewissen

Politik

Kantonale Vorstösse zur «chemischen Unterwerfung» mit ausdrücklichem Bezug auf Pelicot

Im Kanton Solothurn reichte Kantonsrätin Marlene Fischer (Grüne, Olten) am 6.5.2025 die Kleine Anfrage K 0106/2025 «Was tut der Kanton Solothurn gegen chemische Unterwerfung?» ein. Sie begründet die Anfrage mit Gisèle Pelicot, die 2024 die Öffentlichkeit aufgerüttelt habe; der öffentlich geführte Prozess und der von ihrer Tochter Caroline Darian gegründete Verein «#M'endors pas» hätten ein neues Bewusstsein geschaffen. Gefragt wird nach Erfassung, eigenem Tatbestand, Daten, Prävention und Weiterbildung. Mit RRB 2025/1014 vom 17.6.2025 antwortete der Regierungsrat: Die Handlungen seien von Art. 181, 189 und 190 StGB erfasst. Ein eigener Tatbestand sei nicht nötig, eine eigene Statistik werde nicht geführt, und weiteren Handlungsbedarf sehe er nicht. Im Kanton Bern reichten vier Grossratsmitglieder der Grünen (Sprecherin/Sprecher: Dubler) am 10.9.2025 die Interpellation 251-2025 ein, die fast denselben Wortlaut hat. Der Regierungsrat antwortete am 11.2.2026 (RRB 134/2026): Die bestehenden Tatbestände des Sexualstrafrechts genügten, das Ausmass sei schwer einzuschätzen. In Zürich reichte Kantonsrätin Mandy Abou Shoak (SP) am 24.3.2025 die Anfrage KR-Nr. 86/2025 ein, ebenfalls mit Verweis auf den Fall Pelicot. Der Regierungsrat hielt am 11.6.2025 fest, dass die Kantonspolizei Fälle chemischer Unterwerfung nicht gesondert abbildet. Der Beobachter berichtete am 17.7.2025 über weitere Vorstösse: eine Interpellation von Lelia Hunziker (SP) und Stephan Müller (SVP) im Aargau vom 4.3.2025, die die Regierung als «seltenes Phänomen» beantwortete, sowie die Interpellation Nr. 23 von Jessica Brandenburger (SP) in Basel-Stadt, in deren Antwort die Regierung von einem «ernst zu nehmenden Phänomen» spricht. Laut demselben Bericht bereitete Abou Shoak zusätzlich ein Postulat vor; Zürich führt seit 2024 ein Pilotprojekt mit mobilen Forensic Nurses.

Der Verfahrensstand folgt den Quellen, nicht einer eigenen Prüfung der Akten.

Beteiligte

NameRolleFunktionPartei
Marlene FischerUrheberin Kleine Anfrage K 0106/2025Kantonsrätin SOGrüne
Mandy Abou ShoakUrheberin Anfrage KR-Nr. 86/2025, Postulat angekündigtKantonsrätin ZHSP
Lelia HunzikerMitunterzeichnerin Interpellation vom 4.3.2025Grossrätin AGSP
Stephan MüllerMitunterzeichner Interpellation vom 4.3.2025Grossrat AGSVP
Jessica BrandenburgerUrheberin Interpellation Nr. 23Grossrätin BSSP
DublerSprecher/in Interpellation 251-2025Grossrat/Grossrätin BEGrüne

Namen erscheinen nur bei öffentlicher Funktion oder rechtskräftiger, namentlich berichteter Verurteilung. Für alle Personen ohne rechtskräftiges Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Einordnung der Redaktion, keine Tatsachenbehauptung aus den Quellen

Die Vorstösse belegen, wie der französische Begriff «soumission chimique» über den Fall Pelicot in die Deutschschweizer Kantonspolitik gelangte: SO und BE übernehmen eine fast gleichlautende Begründung, ZH verweist ebenfalls auf Pelicot. Die Antworten zeigen ein strukturelles Muster. Kein Kanton erfasst diese Fälle gesondert, die Lage wird unterschiedlich beurteilt («seltenes Phänomen» in AG, «ernst zu nehmendes Phänomen» in BS), und SO wie BE halten das geltende Strafrecht für ausreichend.

Verbindungen

Rezeption Pelicot; inhaltlich parallel zu den Empfehlungen Josso/Guillotin.

Zusammenhänge

Kantonale Vorstösse 2025 derselben Partei: Überschneidungen

belegt, Gleiche Partei, gleiche Welle

Abou Shoak (ZH), Brandenburger (BS) und Hunziker/Müller (AG), alle SP, erscheinen je in mehreren Einträgen, die sich auf dieselben Antworten stützen; es sind verschiedene Personen. Grundlage sind Blick vom 22.4.2025, Beobachter vom 17.7.2025 und die Regierungsantworten. Abou Shoak ist zudem als Einreicherin der Anfrage zum ADFN genannt. Zwischen diesen Einträgen gibt es inhaltliche Überschneidungen.

Weitere Einträge: SP-Vorstösse in Zürich, Basel-Stadt und Aargau zu K.O.-Tropfen, ZH Anfrage 86/2025 Abou Shoak: Was tut der Kanton Zürich gegen chemische Unterwerfung? Antwort mit Haaranalysen 2020 bis 2025, BS 25.5131 Interpellation Brandenburger: Chemische Unterwerfung, Ausprägung, Massnahmen, Sensibilisierung und Opferschutz, AG 25.76 Interpellation Hunziker/Müller: Chemische Unterwerfung im Kanton Aargau, Beobachter 2025: Kantonsvergleich Aargau, Basel-Stadt, Zürich, Zürich: Aufsuchender Dienst Forensic Nurses (ADFN), Spurensicherung ohne Anzeige

Politik reagiert auf Einzelfälle, der Bundesrat hält das geltende Recht für ausreichend

Muster über die Jahre

Zum Muster

Quellen

  1. K 0106/2025 Kleine Anfrage Marlene Fischer (Grüne, Olten): Was tut der Kanton Solothurn gegen chemische Unterwerfung?Kantonsrat Solothurn, 2025-05-06
  2. RRB 2025/1014, Stellungnahme zur Kleinen Anfrage K 0106/2025Regierungsrat Solothurn, 2025-06-17
  3. Missbrauch mit K.-o.-Tropfen: Politikerinnen machen DruckBeobachter, 2025-07-17
  4. RRB Nr. 615, Anfrage KR-Nr. 86/2025: Was tut der Kanton Zürich gegen das Phänomen der chemischen Unterwerfung von Opfern?Regierungsrat Zürich, 2025-06-11
  5. Interpellation 251-2025: Was tut der Kanton Bern gegen chemische Unterwerfung? Antwort RRB 134/2026Regierungsrat Bern, 2026-02-11

Eintrag 2025-05-06_kantonale-vorstosse-zur-chemischen-unterwerfung-mit-ausdrucklichem-bezug-auf-pel. Letzte Prüfung der Quellen am 29.10.2026. Fehler oder fehlende Quellen bitte über Korrektur melden.